Flora und Vegetation der Hecken auf Steinrücken und Hochrainen im Kirchberger Granitgebiet
Wolfgang Thoß
Angaben zum Forschungsobjekt
DR. FRANK MÜLLER (TU Dresden) hat 1998 mit seiner Dissertation „Struktur und Dynamik von Flora und Vegetation (Gehölz-, Saum-, Moos-, Flechtengesellschaften) auf Lesesteinwällen (Steinrücken) im Erzgebirge“ das genannte Gebiet bearbeitet und schuf damit eine wesentliche Grundlage für weitere ökologische und vegetationskundliche Untersuchungen in Sachsen. Hecken auf Steinrücken und Hochrainen prägen vor allem im mittleren und östlichen Erzgebirge das Landschaftsbild der Offenlandschaften. Im Westerzgebirge mit seinem höheren Waldanteil ist deren Anzahl geringer. Das Kirchberger Granitgebiet mit einer wesentlich höheren Dichte an Hecken nimmt diesbezüglich einen besonderen Platz ein. Das Ziel der von 2002 bis 2004 durchgeführten Untersuchung war eine Detailkartierung für ein geografisch kleines Gebiet. Insgesamt wurden 113 Hecken untersucht.
Inhaltliche Schwerpunkte der Untersuchung
- Erfassung der Gefäßpflanzen, Farne und der wichtigsten Moose und Flechten und Auswertung ausgewählter biologisch-ökologischer Zeigerwerte, die vergleichend dem Arteninventar der Flora des Zwickauer Landes gegenübergestellt sind
- pflanzensoziologische Untersuchungen der Gehölz- und Saumgesellschaften
- Herkunft und Verbreitung der Gehölze der Hecken
- Naturschutzfachliche Aspekte
Methodik
- die Auswertung biologisch-ökologischer Zeigerwerte unter besonderer Berücksichtigung der Gehölze
- die Vegetationsaufnahmen erfolgten nach der Methode von BRAUN-BLANQUET
- die Vorkommen der häufigsten Gefäßpflanzen, Farne, Moose und Flechten sowie aller Pflanzengesellschaften sind in Verbreitungskarten dargestellt.
Wesentliche Ergebnisse der Untersuchung
- die Inventarisierung ergab 361 Farn- und Samenpflanzen, davon 80 Gehölze; davon sind 13 Arten gefährdet bzw. stehen auf der Vorwarnliste
Für das Untersuchungsgebiet werden folgende Gesellschaften beschrieben:
- Rubus plicatus-Frangula alnus-Gesellschaft
- Prunetalia spinosae TX. 1952
- Roso vosagiacae-Coryletum Oberd. 1957
- Rubus idaeus-Gesellschaft
- Picea abies-Sorbus aucuparia-Gesellschaft
- Betula pendua-Quercus robur-Gesellschaft
- Acer pseudoplatanus-Fraxinus excelsior-Gesellschaft.
 Sequenz 1/2 
Es werden Gesellschaftsaufbau und Gesellschaftsvergleich diskutiert. Die Verbreitung jeder Vegetationseinheit wird auf einer Karte dargestellt.
Es wird der Frage nachgegangen, woher Edellaubhölzer kommen, die in angrenzenden Wäldern kaum anzutreffen sind. Eine Kartierung der Straßenbäume an 30 Straßen bzw. Straßenabschnitten zeigt, dass sich vor allem Acer pseudoplatanus und Fraxinus excelsior von dort ausbreiten. Ein weiterer Faktor sind die beobachteten Anpflanzungen unterschiedlicher Gehölze aus den verschiedensten Gründen. Bei der Untersuchung konnten drei gepflanzte Hecken festgestellt werden. Vom botanischen Gesichtspunkt aus haben die Hecken eine untergeordnete Bedeutung. Einen besonderen Platz nimmt aber das genetische Potential ein, das durch eine Neupflanzung nicht ersetzt werden kann. Die ökologische Bedeutung für die Tierwelt ist umso bedeutsamer, als die Hecken auf kleinstem Raum ein reichhaltiges Sortiment an Nahrungsressourcen anbieten. Die Hecken als „Korridorbiotope“ sind Voraussetzung für einen geplanten Biotopverbund. Hecken bestimmen aber auch den Erholungswert einer Kulturlandschaft und sind kulturhistorisch wertvolle Zeugen menschlicher Tätigkeit. Es ist zweifelhaft, ob die Hecken früher im untersuchten Gebiet regelmäßig „Auf-Stock-gesetzt“ wurden. Zur Bepflanzung von Lücken sollte nur aus der näheren Umgebung stammendes Material verwendet werden. Geeignete Gehölze sind in einer Liste aufgeführt.
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