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20 Jahre Kampf um das Grüne Band SachsenAm 09.11.1989 fiel der „Eiserne Vorhang“, und bereits vier Wochen später kamen auf Einladung des Bundes Naturschutz Bayern (BN) Naturschützer aus der DDR und aus Bayern in Hof zusammen und brachten ein ehrgeiziges gemeinsames Naturschutzprojekt auf den Weg: Der ehemalige Grenzstreifen zwischen der BRD und der DDR sollte zu einem Grünen Band für Frieden, Natur und Geschichtserinnerung entwickelt werden. Heute können wir auf einen Weg zum Erfolg zurückblicken, aber er war nicht geradlinig und nicht problemlos. Im Frühjahr 1990 legten – nach einer Besichtigung vor Ort – die Landwirtschafts-, Forstwirtschafts- und Naturschutzbehörden im damaligen Landkreis Oelsnitz die zukünftige Nutzung des Grenzstreifens fest und gaben dabei der landwirtschaftlichen Nutzung den absoluten Vorrang. Nur nicht nutzbare Flächen (etwa 1 Prozent) sollten künftig dem Naturschutz dienen, eine Herangehensweise, die leider nicht auf den Kreis Oelsnitz beschränkt war. Auf der Basis einer ornithologischen Kartierung, die vom BN und vom Landesbund für Vogelschutz Bayern im Bereich der ehemaligen Grenze durchgeführt und vom bayerischen Umweltministerium finanziert wurde, erfolgten aber bis Dezember 1990 unter anderem lückenlose einstweilige Sicherstellungen in den beiden sächsischen Kreisen Oelsnitz und Plauen. Danach wurde vom 1991 gebildeten Staatlichen Umweltfachamt Plauen intensiv an der fachlichen Vorbereitung der endgültigen naturschutzrechtlichen Unterschutzstellung gearbeitet, die symbolisch mit dem Besuch des damaligen sächsischen Umweltministers Arnold Vaatz im Juni 1996 abgeschlossen werden konnte. Gleichzeitig hat man für das aus 8 Naturschutzgebieten, 2 Flächennaturdenkmalen und 3 geschützten Landschaftsbestandteilen bestehende Schutzgebietssystem „Grünes Band Sachsen“ (etwa 660 Hektar und 42 Kilometer ehemalige Grenze) ein detailliertes Pflegemanagement erarbeitet und schrittweise umgesetzt. Dabei wurde dem Erhalt und der Entwicklung von Offenländern das Primat eingeräumt. Wesentliche Maßnahmen waren die Renaturierung von Gewässern, Pflegemahd von Nasswiesen, extensive Grünlandbewirtschaftung, Rücknahme von Blaufichtenanpflanzungen, Anlage von Gehölzstrukturen, Umwandlung von Acker in Grünland, Gehölz- und Gewässerpflegemaßnahmen, Pflege durch Hüteschafhaltung. Heute ist die Hüteschafhaltung des fränkischen Schäfereibetriebs Ulsamer das Kernstück des Pflegemanagements im Grünen Band.
Während in den meisten Bundesländern der BUND zum Schutz des Grünen Bandes aktiv wird, war und ist es in Sachsen der NABU, insbesondere der Regionalverband Elstertal. Neben der Mitwirkung bei Kartierungsarbeiten und den am Anfang durchgeführten Pflegemaßnahmen wurde der NABU insbesondere naturschutzpolitisch und behördenunterstützend und seit 1999 bei der Flächensicherung durch Flächenerwerb tätig. Beispielsweise sprachen sich die NABU-Aktivisten gegen die Planung des Neubaus der A 93 aus, denn sie sollte auf der Wasserscheide zwischen Saale und Weißer Elster verlaufen und hätte das Grüne Band 12 Mal geschnitten und damit irreversibel entwertet. Seit 1996 bemühte sich der NABU, das Grüne Band Sachsen komplett als FFH-Gebiet in die sächsische Meldeliste zu bringen, was schließlich gelang. Darüber hinaus ist das Grüne Band Sachsen Vogelschutzgebiet. Bei vielen Aktivitäten des NABU gab es eine enge Kooperation mit dem Projektbüro des BN in Nürnberg. Auch die Personalunion zwischen NABU und Naturschutzbehörde brachte in der Sache oft Vorteile. Eine weitere Aufgabe des NABU war und ist es, das Grüne Band Sachsen, seinen Wert und die Notwendigkeit, es zu schützen, in vielfältiger Weise der Öffentlichkeit nahezubringen. Unter anderem wurde mit Hilfe der Landesgeschäftsstelle eine kleine Wanderausstellung gestaltet. Sollen naturschutzfachlich hochwertige Flächen wie das Grüne Band ohne wirtschaftliches Interesse bewirtschaftet (gepflegt) werden, ist das durch die staatlich anerkannten Vereine und andere, auf den Schutz der Flächen gerichtete Privatinitiativen am besten zu garantieren. Seit 1999 bemüht sich deshalb der Regionalverband um die dauerhafte Sicherung der Flächen des Grünen Bandes Sachsen für den Naturschutz durch den Kauf von Grundstücken. Bisher wurden 39 Hektar gekauft. Seit 2002 werden sie zu gleichen Teilen von der NABU-Stiftung Nationales Naturerbe und dem Regionalverband Elstertal des NABU erworben. Die Beschaffung der notwendigen Eigenmittel zum Grunderwerb erfolgt seit 1999 über eine Spendenaktion. Als Schirmherr konnte dafür Herr Bundesminister Rolf Schwanitz gewonnen werden. Leider ist die Förderung von Flächenerwerb im Freistaat Sachsen in den letzten Jahren eingeschränkt worden, sodass ein Grunderwerb künftig in vollem Umfang mittels eigener Gelder ermöglicht werden muss. Dieser wird auch weiterhin notwendig bleiben, weil das Grüne Band noch breiter werden muss beziehungsweise an das „grüne Rückgrat Rippen“ gehören. In Sachsen sind zwar bereits etwa 180 Hektar ins Schutzgebietssystem integriert, die nicht zum ehemaligen Grenzstreifen im engeren Sinn gehören, aber an vielen Stellen bleiben die Schutzgebietsflächen zu schmal, um eine ungehinderte Migration im Biotopverbund zu gewährleisten. Inzwischen ist das Grüne Band Sachsen - trotz der vielen Probleme in den vergangenen 20 Jahren, die hier nicht dargestellt werden konnten - beispielgebend für das Grüne Band Europa geworden, das sich vom Eismeer bis zum Mittel- beziehungsweise Schwarzen Meer erstreckt. Der NABU Sachsen, insbesondere der Regionalverband Elstertal, wird sich, unterstützt von der NABU-Stiftung sowie in Kooperation mit dem BUND-Projektbüro, auch in Zukunft mit großem Engagement um Erhalt und Erweiterung des Grünen Bandes Sachsen bemühen. Spendenkonto
BUND und NABU fordern: Vorrang für Naturschutzziele im und am Grünen Band!Im Februar 2010 haben die Regionalgruppe Elstertal des BUND und der Regionalverband Elstertal des NABU Sachsen einen offenen Brief an das Sächsische Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft, an das Bayrische Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit sowie an andere Adressaten gerichtet. Beide Verbände fordern darin unter anderem die Umsetzung der in den Schutzgebietsverordnungen und Landschaftsplänen fixierten Ziele und Maßnahmen zum Schutz und zur Entwicklung von Natur und Landschaft im Bereich des grünen Bandes und in dessen Umfeld.Einer der Anlässe für dieses Schreiben war die Tatsache, dass in den Wochen zuvor vom Landratsamt Hof die Genehmigung für einen großdimensionierten Windpark in engster Nachbarschaft des Grünen Bandes erteilt worden war. |
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