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Das sächsische Artenschutzprogramm Weißstorch



Im Rahmen des sächsischen Artenschutzprogramms Weißstorch, das vom NABU-Naturschutzinstitut Region Dresden erarbeitet wurde, liegt seit 1995 ein Katalog der notwendigen Schutzmaßnahmen vor. Diese erstrecken sich auf alle sächsischen Hauptverbreitungszentren und betreffen sowohl horstbezogene Aufgaben (Sanierung, Errichtung von Nisthilfen) als auch den Schwerpunkt Schutz und Aufwertung von Lebensräumen bis hin zu Flächenerwerb und Entschärfung von Elektroanlagen. Die vorrangige Arbeit zur Wiederbelebung des Artenschutzprogramms besteht in der zielgerichteten Umsetzung dieses Kataloges und weiterer, sich zwischenzeitlich ergebender, aber nicht prinzipiell anders gelagerter Aufgaben.

weissstorchpaar


Nach der Veröffentlichung des Artenschutzprogramms im Jahre 2000 (BÄßLER et al. 2000 in den Materialien zu Naturschutz und Landschaftspflege 2000) erfolgte unter der Regie des Naturschutzinstitutes Dresden des NABU bzw. der sächsischen Artbetreuer Dr. R. Bäßler, W. Herschmann, C. Erdmann und Dr. J. Schimkat, unterstützt durch mehrere sehr aktive Regionalbetreuer, eine kontinuierliche Weiterführung der Arbeit zum Artenschutzprogramm in drei Richtungen:
  1. Fortführung der Koordinierung bzw. der Datensammlung der jährlichen Erfassung von Bestand und Reproduktion aller sächsischen Weißstörche
  2. Wissenschaftliche Bearbeitung des Datenmaterials zur Aufdeckung der Hintergründe der stattfindenden Bestandsentwicklung
  3. Entwicklung, Erhalt und Pflege der ausgewiesenen Schutz- bzw. Projektflächen; Sanierung der Horste und Neubau von Nestern entsprechend den Zielen des Artenschutzprogramms Weißstorch; Projektierung und Umsetzung von Lebensraumschutzmaßnahmen
Die praktische Umsetzung insbesondere von Lebensraumschutzvorhaben überstieg jedoch bisher die Möglichkeiten des behördlichen, ehrenamtlichen und verbandsseitigen Weißstorchschutzes, sodass das Artenschutzprogramm Weißstorch für Sachsen seine wesentlichen Zielsetzungen bisher noch nicht erreicht hat. Ausdruck dessen ist der nach wie vor zu geringe und tendenziell weiter eher sinkende Bruterfolg, der keinesfalls ausreicht, um die Abgänge durch die teilweise hohe – in vielen Fällen anthropogen bedingte - Sterblichkeit (z. T. verursacht durch Nahrungsmangel während der Nestlingsphase und Todesfälle an Mittelspannungsmasten und anderen technischen Einrichtungen) auszugleichen. Die sächsische Weißstorchpopulation befindet sich deshalb in einem ungünstigen Erhaltungszustand, der sich auch durch eine beträchtliche Bestandsabnahme seit 1996 äußert.

weissstorch_ring


Zur Gewährleistung der Umsetzung des Artenschutzprogramms wird deshalb aktuell im Auftrag des Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschutz (SMUL) sowie in enger Zusammenarbeit mit der sächsischen Vogelschutzwarte Neschwitz e. V. und dem sächsischen LfULG die Weißstorcharbeit landesweit von dem bisherigen Projektträger des Artenschutzprogramms Weißstorch, dem NABU-Naturschutzinstitut Region Dresden, koordiniert und von ihm mit folgenden Hauptaufgaben betrieben:
  1. Aktualisierung und Umsetzung des Artenschutzprogramms Weißstorch in Sachsen
  2. Koordinierung der Schutzmaßnahmen, insbesondere in enger Verbindung zum „Bodenbrüterprojekt“ (Schutz von Feldlerche, Kiebitz, Rebhuhn) des Freistaates Sachsen
  3. Zusammenarbeit mit landwirtschaftlichen Behörden, Landwirten, behördlichem und ehrenamtlichem Naturschutz
  4. Öffentlichkeitsarbeit: Verbindung zu Medien und Behörden, Fach- und Zeitungsartikel
  5. begleitende wissenschaftliche Arbeiten und Erfolgskontrolle
Ausgehend von einer Analyse des Ist-Zustandes des laufenden Artenschutzprogramms sowie der aktuellen Situation des Weißstorchs in Sachsen und der Einarbeitung der neuesten Erkenntnisse zum Stand der Forschung und des Schutzes erfolgt eine Ableitung zeitnah durchzuführender Sofortmaßnahmen und mittelfristig umsetzbarer Maßnahmen.

In den Abbildungen 1 und 2 wird die Entwicklung von Brutbestand HPa und Nachwuchsrate JZa in Sachsen dargestellt, die seit den 1980er Jahren auch mit der Entwicklung des Weißstorchs in ganz Ostdeutschland korreliert. Gegenwärtig scheint sich der sächsische Weißstorchbestand seit den starken Rückgängen im letzten Jahrzehnt wieder etwas zu erholen.

brutbestand_weissstorch
Abbildung 1:
Bestandsentwicklung des Brutbestandes des Weißstorchs in Sachsen (HpaM3: gleitendes Mittel über 3 Jahre)
nachwuchsziffer_weissstorch
Abbildung 2:
Entwicklung der Nachwuchsziffer JZa des Weißstorch in Sachsen (durchschnittliche Bruterfolge pro Nestpaar)